Vernichtungskrieg im Osten

Mit dem Überfall auf die Sowjetunion (Unternehmen Barbarossa) begann im Juni 1941 für die Nationalsozialisten ein 'unausweichlicher' Kampf gegen die 'unterlegene, jüdisch-bolschewistische Weltanschauung'.

Ziele waren die Eroberung und wirtschaftliche Ausbeutung von 'Lebensraum', die Versklavung der Bevölkerung und die Vernichtung der sowjetischen Führung sowie des jüdischen Lebens.

Die nationalsozialistische Führung verstieß somit gegen alle geltenden Kriegsrechtsregeln, ließ Gefangene ermorden oder verhungern und organisierte Massenhinrichtungen der Zivilbevölkerung.

In der folgenden Erklärung wird häufiger der Begriff „Rasse“ verwendet.

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass dieser Begriff heutzutage in der deutschen Sprache nicht mehr im Kontext mit Menschen verwendet werden darf! Dieser Begriff beruht auf der „Rassentheorie“ und ist abwertend. Es gibt keine menschlichen Rassen!


Hintergrund

Schon mit dem Überfall auf Polen am 01. September 1939 und der Ermordung polnischer Intellektueller wurden Merkmale eines Vernichtungskrieges erfüllt, der mit dem auch als Russland-Feldzug bekannten Überfall auf die Sowjetunion aber eine neue Dimension annahm.

  • Sowjetunion als unmittelbare Bedrohung mit gegensätzlicher Weltanschauung, die Hitler unbedingt zerschlagen wollte

  • Nationalsozialisten sahen Notwendigkeit eines 'rassenbiologischen Vernichtungskrieges' der 'arischen Rasse' gegen die sowjetischen 'Untermenschen'

→ Ziel war nicht die Einnahme eines Gebietes und ein politischer Sieg, sondern die Vernichtung der Gegner, für die im Kriegsverlauf entsprechende Maßnahmen ergriffen wurden

Verhaftete Juden in der Sowjetunion
Verhaftete Juden in der Sowjetunion By Bundesarchiv, Bild 146-1995-063-31 / Fritsch, F. / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en>, via Wikimedia Commons

Umgang mit Kriegsgegnern und -gefangenen

Der Zweite Weltkrieg brachte etwa 25 Millionen sowjetische Todesopfer, ungefähr die Hälfte gehörte zur Zivilbevölkerung. Von den mehr als drei Millionen Kriegsgefangenen in 1941 starb über die Hälfte bis Frühjahr 1942, insgesamt überlebten etwa drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene den Zweiten Weltkrieg nicht. Das lag an der unmenschlichen Behandlung durch die NS-Führung.

  • Kommissarbefehl (06. Juni 1941): keine Gefangennahme, sondern sofortige Tötung aller politischen Offiziere der Roten Armee → als 'Freifahrtsschein' für alle möglichen Verbrechen herangezogen, nach vermehrtem Hinterfragen der Zweckmäßigkeit 1942 ausgesetzt, willkürliche Ermordungen, besonders in der Zivilbevölkerung, gingen weiter
  • Wenn nicht schon bei Marsch gestorben, dann keine oder unzureichende Versorgung als Gefangene → Unterbringung auf offenen Feldern, bewusstes Verhungernlassen, um Ressourcen zu sparen, und Zwangsarbeit

→ Auch sowjetische Städte sollten nicht von der nationalsozialistischen Vernichtung verschont bleiben. So plante Hitler, Moskau und Leningrad zu zerstören, sodass Leben dort unmöglich würde.

Marsch von sowjetischen Kriegsgefangenen durch Charkow, 1942
Marsch von sowjetischen Kriegsgefangenen durch Charkow, 1942 By Bundesarchiv, Bild 183-B26082 / Schneider / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en>, via Wikimedia Commons

Generalplan Ost

Der Generalplan Ost wurde zwischen 1940 und 1942 entwickelt, mit der Kriegswende 1943 jedoch zurückgestellt bzw. aufgegeben. Der Plan sollte als Grundlage dienen für die Besiedlung des 'Lebensraums im Osten'.

  • Ziele:
    • 80-85% der polnischen, 64% der ukrainischen und 75% der belarussischen Bevölkerung sollten 'entfernt' werden
    • Westpolnische Gebiete und Generalgouvernement, Estland, Lettland sowie ein Großteil Ostmitteleuropas sollten in 20 Jahren deutsch werden

→ Der Plan erforderte somit die Deportation, Vertreibung oder Ermordung von mindestens 31 Mio. Menschen.

Mordaktionen

Bis März 1942 wurden etwa 600.000 Menschen in den eroberten Gebieten der Sowjetunion ermordet, darunter vor allem jüdische Männer, aber auch Frauen und Kinder, Roma:nja, sowjetische Funktionäre oder Kranke.

Soldaten wurden für Übergriffe auf die Zivilbevölkerung nicht bestraft. Es kam zu Misshandlungen, Vergewaltigungen und Massenmorden, die meist von den sogenannten 'Einsatzgruppen' durchgeführt wurden.

  • 'Einsatzgruppen' (aus Sicherheitspolizei, Sicherheitsdienst, Ordnungspolizei, Waffen-SS) folgten den kämpfenden Einheiten und führten hinter der Front systematische Mordaktionen ('Sonderaufgaben') durch → Erschießungen, Vergasungen durch LKW-Benzin usw.

  • Bereits fünf Tage nach Überfall auf Sowjetunion: 2000 jüdische Menschen in Synagoge in Bialystok (Polen) lebendig verbrannt

  • Ende August 1941: Ermordung von über 26.000 jüdischen Menschen in Kamenez-Podolsk (Ukraine)

→ Eine besonders große Massenvernichtung war die Erschießung von über 33.000 jüdischen Menschen in der Schlucht von Babi Jar (auch Babij Jar/ Babyn Jar) bei Kiew am 29. und 30. September 1941, deren Ränder im Anschluss zum Zuschütten der Leichen gesprengt wurden.

Sowjetische Juden schaufeln vor ihrer Hinrichtung das eigene Grab, 1941
Sowjetische Juden schaufeln vor ihrer Hinrichtung das eigene Grab, 1941 By Bundesarchiv, Bild 183-A0706-0018-029 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en>, via Wikimedia Commons

Sidefact

An die Massenerschießung von Babi Jar wurde lange nicht erinnert, auch, weil es in der Sowjetunion selbst viel Hass gegen jüdische Menschen gab. Ein vorwurfsvolles Gedicht von Jewgeni Jewtuschenko erregte daher 1961 großes Aufsehen: „Über Babij Jar, da steht keinerlei Denkmal. Ein schroffer Hang – der eine unbehauene Grabstein. [...]"

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