Adaptive Radiation

Bei Kängurus denken wir sofort an Australien. Aber warum gibt es die Tiere nur auf diesem Kontinent? Und warum leben seltene Arten so häufig auf abgelegenen Inseln?
Das hat mit der adaptiven Radiation zu tun.

Was ist adaptive Radiation? Wie funktioniert adaptive Radiation? Was sind Beispiele für adaptive Radiation?

Alles, was du darüber wissen musst und noch einiges mehr, erklärt dir simpleclub hier ganz einfach und übersichtlich.

Adaptive Radiation einfach erklärt

Eine adaptive Radiation ist quasi eine Auffächerung einer Ursprungsart in verschiedene spezialisierte Unterarten. Das erlaubt ihnen die Besetzung verschiedener ökologischer Nischen.

Eine Population besetzt einen Lebensraum in einer ökologischen Nische. Es herrscht aber starke Konkurrenz, zum Beispiel um Nahrung oder Nistplätze.
So entsteht Selektionsdruck. Manche Individuen passen sich an diesen Selektionsdruck an und stellen sich beispielsweise auf andere Nahrung ein.
Sie besetzen eine ökologische Nische und passen sich insgesamt an die neuen Umweltfaktoren an. Diese Teilpopulation entwickelt sich dann in eine eigene Richtung.

Sie spezialisiert sich so stark, dass sie mit der Ursprungspopulation keine Nachkommen mehr zeugen kann. Das bezeichnet man als reproduktive Isolation. So ist dann eine neue Art ist entstanden.

Radiationen passieren häufig in evolutionären Schüben und finden vor allem nach wichtigen evolutionären Neuerungen und Massensterben statt.

Vorteilhaft für eine adaptive Radiation ist eine noch unbewohnte Fläche mit vielen nützlichen ökologischen Nischen; sie funktioniert aber auch in bereits besiedelten Gegenden.

Adaptive Radiation Definition

Adaptive Radiation beschreibt die Entstehung mehrerer spezialisierter Arten aus einer unspezialisierten Art.
Aus gemeinsamen Vorfahren entwickeln sich neue Spezies, die ökologisch vielfältig sind und sich an neue Umwelteinflüsse anpassen können.


Adaptive Radiation Ablauf

Wenn eine Art einen neuen Lebensraum besetzt, nennt man sie Gründerpopulation. Diese Art hat in ihrem Umfeld noch keine Konkurrenz und dementsprechend auch genügend Nahrungsmöglichkeiten. Die Chancen für eine viele Nachkommen sind also grundsätzlich sehr gut. Allerdings ist die Gründerpopulation an den neuen Lebensraum, noch nicht gut angepasst.

Daraus ergeben sich folgende Probleme:

  • Je mehr Nachkommen entstehen, desto knapper werden die vorhanden Ressourcen (Lebensraum oder Nahrung)
  • Es entsteht innerartliche Konkurrenz und dadurch Selektionsdruck - survival of the fittest
  • Beispiel: Vögel kämpfen innerhalb ihrer Art und Population um Nahrung

Auf der anderen Seite bietet der neue Lebensraum bietet aber Vorteile:

  • Neue Formen von Nahrung
  • Andere Lebensräume

Um nicht auszusterben, müssen sich die Tiere an diesen neuen Nahrungsformen orientieren und sich entsprechend anpassen. Die Tiere, die sich daran gewöhnen können, haben einen Selektionsvorteil und können besser überleben.

Blauer Vogel

Um der Konkurrenz zu ergehen müssen die Lebewesen einen Bereich finden, in denen sie optimal angepasst sind und sich nicht gegenüber anderen durchsetzen müssen. Dieser Bereich des Lebensraums wird ökologische Nische genannt.

  • Die Anpassung wird auch als Einnischung bezeichnet
  • In dieser Nische lebe die Bewohner ohne Konkurrenz und sind am besten angepasst - Separationen von anderen Lebewesen
  • Die Tiere haben keinen Grund mehr, ihre ökologische Nische zu verlassen und isolieren sich geografisch
  • Sie spalten sich von der Gründerpopulation ab
  • Folge: Sie gründen ihre eigene Teilpopulation

Weil die Teilpopulation jetzt isoliert ist, entwickelt sie sich ohne den Einfluss von den andern weiter.

Wenn die Teilpopulationen zu lange getrennt waren und sich unabhängig voneinander weiterentwickelt haben, können sie sich nicht mehr miteinander paaren. Durch die Entwicklung in verschiedenen Nischen können also zwei unterschiedliche Arten entstehen.

Dieser Ablauf von Separation und Einnischung kann sich mehrmals wiederholen oder auch parallel ablaufen.

In verschiedenen ökologischen Nischen können verschiedene Arten entstehen. Wenn sich die Arten so stark spezialisiert haben, besteht keine innerartliche Konkurrenz mehr und sie können nebeneinander existieren.


Adaptive Radiation Beispiele

Darwins Finken

Die Darwin Finken sind ein Beispiel für adaptive Radiation. Sie haben vor einiger Zeit die Galapagos-Inseln besiedelt. Durch die innerartliche Konkurrenz haben einzelne Individuen verschiedene Nischen besetzt. In diesen Nischen konnten sie sich ungestört von den anderen weiterentwickeln, sodass insgesamt 14 neue Unterarten entstanden sind. Nach einiger Zeit können ein paar dieser Arten in verschiedenen Nischen auf der Insel zusammen leben, weil sie sich so unterschiedlich entwickelt haben.
Diese Entwicklung ist mittlerweile so stark, dass eine Fortpflanzung zwischen diesen Unterarten nicht mehr möglich ist.

Auf diesem Bild wird gezeigt, dass sich aus einem Urfink mehrere Unterarten mit unterschiedlicher Gefiederfarbe und Schnabelform entwickelt haben.

Beuteltiere

Auch die Beuteltiere sind teilweise durch adaptive Radiation entstanden. Dazu gehören beispielsweise Kängurus, Koalas und Wombats.

Vor vielen Millionen Jahren wurde der Kontinent Australien von den anderen Kontinenten abgetrennt. Dadurch ergaben sich viele neue Lebensräume und dementsprechend auch unbesetzte Nischen. Nämlich einmal die in Australien und die auf den anderen Kontinenten. An beiden Orten konnten dementsprechend viele Beuteltiere existieren. Über die Zeit hinweg starben die Beuteltiere in allen Teilen der Welt aus, bis auf Australien. So konnten sich dort verschiedenste Arten entwickeln und deswegen gibt es Kängurus nur in Australien.

Känguru

Hawaii

Hawaii ist 4.000 Kilometer vom nächsten Festland, den USA, entfernt und damit gleichzeitig die entlegenste Inselgruppe der Welt.

Dort leben die sogenannten Kleidervögel, die es in dieser Form nur auf Hawaii gibt. Diese Vögel haben sich gut an ihren Lebensraum angepasst und sich auf die dort herrschenden jeweiligen Bedingungen spezialisiert, vor allem auf die Nahrung. Die Kleidervögel haben sich deshalb in unterschiedliche Unterarten weiterentwickelt:

  • Insektenfresser
  • Manche ernähren sich von Nektar
  • Andere fressen Körner und Samen

Hier hat also eine adaptive Radiation stattgefunden.

Adaptive Radiation Zusammenfassung

Von adaptiver Radiation sprechen wir also, wenn sich eine Art in verschiedene spezialisierte Arten aufspaltet.
Die erste Art besiedelt zu Beginn einen neuen Lebensraum und muss sich dann aufgrund von innerartlicher Konkurrenz in verschiedene ökologische Nischen verteilen.

Durch die Seperation und Einnischung verläuft die Weiterentwicklung unabhängig voneinander, sodass eigene spezialisierte Arten entstehen.
Weil diese Arten jetzt komplett verschieden sind, kommt es zu einer reproduktiven Isolation. Die Fortpflanzung der beiden Arten funktioniert dann nicht mehr.

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