Maghreb

Zum Maghreb gehören die nordafrikanischen Länder Algerien, Marokko und Tunesien und das Territorium Westsahara, das von Marokko beansprucht wird. Manchmal werden übrigens auch noch Libyen und Mauretanien dazugezählt. Aufgrund der Kolonialgeschichte hat die Region eine enge Verbindung zu Frankreich, die bis heute anhält.


Geographie

Von den Ländern, die zum Maghreb gezählt werden, liegen alle außer Mauretanien am Mittelmeer. Das Klima nördlich des Atlas-Gebirges ist feucht-warm. Südlich des Gebirges liegt die Sahara, die größte Trockenwüste der Welt.

Kolonialisierung

Unter anderem aufgrund der geographischen Nähe zu Europa hatten mehrere Kolonialmächte ab dem 19. Jahrhundert Interesse an der Macht über den Maghreb. Libyen wurde von Italien besetzt. Spanische Kolonialmächte eroberten die Region, die heute als Westsahara bezeichnet wird.

Algerien, Tunesien und Marokko waren französische Kolonien. Besonders Marokko war immer wieder umkämpft. Auch Deutschland versuchte unter Kaiser Wilhelm II. das Land zu seiner Kolonie zu machen. Ab 1912 war es in Französisch-Marokko und Spanisch-Marokko aufgeteilt. Letztendlich hatte dort aber Frankreich die größere Macht.

Nachdem es immer wieder Aufstände und Proteste der einheimischen Bevölkerung gegeben hatte, erlangten die Länder des Maghreb ab den 1950er-Jahren nach und nach ihre Unabhängigkeit.

Algerien

  • Bevölkerung: ca. 43 Millionen
  • Hauptstadt: Algier
  • Amtssprachen: Arabisch und Tamazight (Sprache der Berber/Imazighen)
  • Algerienkrieg gegen die französische Kolonialherrschaft: 1954-1962
  • Unabhängigkeit von Frankreich: 5. Juli 1962
  • Sehenswürdigkeit: Arabische Altstadt von Algier
    → Kleine Gassen, viele Moscheen und Paläste, Zitadelle

Marokko

  • Bevölkerung: ca. 37 Millionen
  • Hauptstadt: Rabat
  • Amtssprachen: Arabisch und Tamazight
  • Unabhängigkeit von Frankreich: 2. März 1956
  • Viele historische Paläste, die Riads genannt werden
  • Sehenswürdigkeit: Königsstadt Fès
    → Vier Stadtteile, die in unterschiedlichen Epochen entstanden sind

Tunesien

  • Bevölkerung: ca. 12 Millionen
  • Hauptstadt: Tunis
  • Amtssprache: Arabisch
  • Unabhängigkeit von Frankreich: 20. März 1956
  • Sehenswürdigkeit: Unterirdische Moschee von Djerba
    → Diente lange als geheime Gebetsstätte

Kultur

Seit dem Mittelalter wurde der Maghreb von der arabischen Kultur und Sprache geprägt. Aufgrund der Verbreitung des Islams findet man insbesondere in den Städten muslimisch geprägte Architektur, z.B. Moscheen und Hamams (Badehäuser).
Gleichzeitig gab es im Maghreb jedoch auch schon immer die indigene Bevölkerung. Auch sie bringen ihre eigenen kulturellen Einflüsse in das gesellschaftliche Leben ein.

Als indigene Bevölkerung bezeichnet man die Menschen (und ihre Nachkommen), die bereits vor der Kolonialisierung oder Eroberung ihres Landes dort lebten.

Viele der sogenannten Berber nennen sich selbst allerdings Imazighen (= Freie), da sie die Bezeichnung „Berber“ als abwertend empfinden und lieber ein Wort in ihrer Muttersprache verwenden.

Mit der Kolonialisierung kamen europäische und christliche Einflüsse hinzu, sodass der Maghreb heute viele verschiedene Kulturen vereint.

Französisch ist dort keine Amtssprache. Trotzdem wird es im öffentlichen Leben viel verwendet und dient als Handels-, Arbeits- und Bildungssprache. Auch französischsprachige Medien, wie Fernsehen oder Filme, werden viel konsumiert.


Frankreich

Die meisten Menschen, die aus dem Maghreb in ein anderes Land ziehen, entscheiden sich für Frankreich. Insbesondere ab den 1950er-Jahren nahm die Migration aus wirtschaftlichen Gründen zu.

Heute leben in Frankreich schätzungsweise etwas mehr als 5 Mio. Menschen, die selbst oder deren Eltern bzw. Großeltern aus dem Maghreb stammen. In der französischsprachigen (Pop-) Kultur findet man viele multikulturelle Einflüsse, z.B. in der Musik oder in Filmen und Serien.

Besonders hoch ist der Anteil dieser Bevölkerungsgruppe in den Vororten von Großstädten, vor allem von Paris und Marseille, den sogenannten banlieues. Diese Vororte sind von sozialer Ungerechtigkeit geprägt, da sie von der Politik vernachlässigt werden.

  • Probleme wie hohe Arbeitslosigkeit, Armut, Perspektivlosigkeit, Rassismus, Bandenkriminalität und Polizeigewalt führen bei den Anwohner:innen, insbesondere bei den Jugendlichen, zu Frust.
  • In der Vergangenheit gab es deshalb immer wieder sowohl friedliche Proteste, wie den Marche des Beurs, als auch gewaltvolle Ausschreitungen.
  • Dies führt dazu, dass in den französischen Medien häufig ein negatives Bild der Vororte vermittelt wird. Das verstärkt natürlich wiederum die Benachteiligung der Menschen, die dort leben.
No items found.

simpleclub ist am besten in der App.

Mit unserer App hast du immer und überall Zugriff auf: Lernvideos, Erklärungen mit interaktiven Animationen, Übungsaufgaben, Karteikarten, individuelle Lernpläne uvm.

Jetzt simpleclub Azubi holen!

Mit simpleclub Azubi bekommst du Vollzugang zur App: Wir bereiten dich in deiner Ausbildung optimal auf deine Prüfungen in der Berufsschule vor. Von Ausbilder*innen empfohlen.

Jetzt simpleclub Azubi holen