Nathan der Weise - Interpretation

Nathan der Weise Interpretation

Das Drama ist ein typisches Beispiel für die Epoche der Aufklärung. Ihm vorausgegangen ist der Fragmentenstreit zwischen Lessing und Hauptpastor Goeze. Der Text enthält verschiedene Motive, wie z.B. Liebe, Weisheit oder Gottergebenheit.


Fragmentenstreit

Lessing hat ab 1774 Schriften veröffentlicht, die das Christentum stark anzweifeln und ihm sehr kritisch gegenüberstehen. Lessing selbst behauptet aber nicht, dass er dem Inhalt dieser Schriften zustimmt. Sein Ziel war es nur, dass eine religionskritische Diskussion möglich wird.

Die Veröffentlichung stößt natürlich vor allem auf Seite der christlichen Glaubensgemeinschaft auf Verärgerung. Als Lessings Gegner stellt sich der Hauptpastor Johann Melchior Goeze heraus.

Während Goeze seine Religion und sein Glaube am allerwichtigsten sind, stellt Lessing die Vernunft und den Verstand über alles andere. Lessing kritisiert, dass die verbissene Religiosität und das sture Beharren auf dem eigenen Glauben zu mehr Intoleranz zwischen den Menschen führen.

Darum greift er das Problem des Wahrheitsanspruchs der Religionen in Nathan der Weise auf, indem er die Ringparabel erzählt.

Fun-fact: Die Ringparabel hat sich übrigens nicht Lessing ausgedacht, sondern Giovanni Boccaccio. Lessing hat die Story nur so ähnlich übernommen.


Epoche der Aufklärung

Die Epoche der Aufklärung geht ca. von 1720-1790. Nathan der Weise wurde 1779 veröffentlicht und fällt damit genau in diese Zeit.

Außerdem weist das Drama einige Merkmale der Aufklärung auf:

  • Vernunft & Verstand im Mittelpunkt: Als Recha davon schwärmt, dass sie von einem Engel gerettet wurde, mahnt Nathan sie, vernünfitg zu denken und nicht so einem Wunderglauben anzuhängen.
  • Bequemklichkeit verhindert Aufklärung (Kant): Nathan macht Recha darauf aufmerksam, dass es zwar leichter ist zu schwärmen, gut handeln und vernünftig denken aber viel wichtiger sind.
    "Begreifst du aber, wie viel andächtig schwärmen leichter, als gut handeln ist?"
  • Toleranzgedanke: Humanität und eine Verständigung der Religionen sind wichtiger als das Beharren auf dem eigenen Glauben.
    Oder wie Nathan es ausdrückt: Sind Christ und Jude eher Christ und Jude, als Mensch? Ah! Wenn ich einen mehr in Euch gefunden hätte, dem es genügt, ein Mensch zu heißen!

Motive

Motiv

Textnachweis

Liebe

  • Familiäre Liebe (z.B. Beziehung zwischen Nathan und Recha)
  • Erotische Liebe (anfangs zwischen Recha und Tempelherr)
  • Liebe zu Gott (z.B. Daja, die Christin durch und durch ist, wird dadurch intolerant gegenüber anderen)
  • Menschenliebe (z.B. Nathan, der unabhängig von Religion überall gute Menschen sieht)

Weisheit

  • Nathan wird vom Volk als weise bezeichnet
  • Seine Weisheit zeigt sich beispielsweise darin, wie geschickt er das Gespräch mit dem Sultan angeht und wie reflektiert er die Meinungen und Werte der anderen Personen überprüft (z.B. im Gespräch mit dem Tempelherrn, als die beiden schließlich doch auf einen gemeinsamen Nenner kommen und Freundschaft schließen)

Gottesfurcht

  • Recha sagt über Dajas Gottesfurcht: "Ist eine von den Schwärmerinnen, die den allgemeinen, einzig wahren Weg nach Gott, zu wissen wähnen! [...]"
    → Daja hat großen Respekt und Ehrfurcht vor Gott
  • Richter in der Ringparabel fordert Ergebenheit vor Gott: "Die Kraft des Steins in seinem Ring' an Tag zu legen! Komme dieser Kraft mit Sanftmut, mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun, mit innigster Ergebenheit in Gott"
  • Nathans Gottesfurcht ist kein Unterwerfen oder Gehorchen → Er vertritt den vernünftigen Teil des Glaubens
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